Die Preise bei Grafikkarten normalisieren sich wieder

Grafikkarten sind schon lange kein Schnäppchen mehr und im letzten Jahr haben die Aufpreise noch einmal neue Höhen erklommen. Die Verdopplung und Vervierfachung von Marktpreisen waren keine Seltenheit, weshalb viele Gamer von einem Neukauf abgesehen haben. Seit Anfang 2022 scheint sich die Lage jedoch zu entspannen, sodass die Preise im Vergleich zum Vorjahr drastisch gefallen sind. Vor allem auch wegen einer kleinen Revolution im Kryptomining könnte die Tendenz anhalten, wodurch selbst beliebte GPUs von Nvidia und AMD wieder erschwinglich werden. Zwar kämpft die Branche nach wie vor mit Lieferproblemen, doch Spieler, die aufrüsten wollen, können sich trotzdem freuen.

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Sofern sie überhaupt verfügbar waren, kosteten gefragte Grafikkarten im Jahr 2021 so viel wie noch nie. Seit 2022 fallen die Preise jedoch wieder.

Preise trotz hoher Nachfrage im Sinkflug

Wer seine alte Grafikkarte durch ein neueres Modell ersetzen wollte, musste 2021 teilweise den vierfachen Preis des Vorjahres zahlen. Dieser Höhenflug machte GPUs für viele weniger gut betuchte Gamer unbezahlbar. Verantwortlich war eine ganze Reihe von Faktoren, mit denen die Branche zu kämpfen hatte. Zum einen kauften Kryptomining-Farmen und sog. „Scalpers“ große Bestände auf. Lieferengpässe und Halbleitermangel sorgten für eine zusätzliche Verknappung, sodass die Preise explodierten. Das schlimmste scheint nun jedoch erst einmal überstanden zu sein, denn seit Beginn dieses Jahres purzeln die Preise. Ein kurzer Blick auf die Entwicklung der letzten Monate zeigt, dass die Tendenz nun bereits seit Dezember 2021 anhält – und das trotz einer nach wie vor hohen Nachfrage.

Beliebte Nvidia- und AMD-GPUs mittlerweile deutlich günstiger

Während die gefragtesten Grafikkarten von Nvidia und AMD 2021 noch unerschwinglich waren, fällt der Preis seit letztem Dezember mal stärker und mal schwächer. Insgesamt müssen Kunden aktuell für Karten wie die Nvidia GeForce RTX 3090 und 3090 bis zu 40 Prozent weniger ausgeben als noch vor einem halben Jahr. Im Falle der GeForce RTX 3080 bedeutet dies, dass sie Mitte des Jahres fast 700 Euro günstiger war als noch im Januar. Ähnliche Entwicklungen werden sichtbar, wenn man die Preise für RTX 3070 und RTX 3060 TI über diesen Zeitraum vergleicht. Hier sind es immerhin noch 35 bis 38 Prozent Ersparnis. Dieser spürbare Preissturz ist definitiv ein Grund zur Freude, doch liegt das Preisniveau insgesamt noch immer über dem von 2020. Auf Dauer rechnen einige Beobachter jedoch mit einem anhaltenden Abwärtstrend, sodass man sich den ursprünglichen Release-Preisen Stück für Stück wieder annähert. Es lohnt sich also weiterhin nach günstigen Angeboten für Gaming-Grafikkarten Ausschau zu halten.

Krypto-Mining kein großer Faktor mehr

Ein Hauptgrund, warum sich die realen Preise von Grafikkarten in den letzten zwei Jahren so stark von der unverbindlichen Preisempfehlung der Hersteller unterschieden, war der hohe Grafikkartenbedarf der Kryptomining-Szene. Gleich ganze Batterien von GPUs kamen vor allem im chinesischen, aber auch europäischen und amerikanischen Raum für die digitalen Schürfarbeiten zum Einsatz. Den Crash einiger Währungen führte zu einer rapide sinkenden Rentabilität, da die Stromkosten im Vergleich zum Gegenwert der geschaffenen Währung in keinem sinnvollen Verhältnis mehr standen. Hinzu kommt, dass die zweitgrößte Währungsnetzwerk Ethereum angekündigt hat, seine Plattform vom klassischen „Proof-of-Work“-Verfahren auf das deutlich energieeffizientere „Proof-of-Stake“-Verfahren umzustellen. Da die neuen Token dabei nicht länger durch das Lösen von Rechenaufgaben geschürft werden müssen, verlieren Ethereum-Minen ihre wirtschaftliche Grundlage. Schon jetzt stoßen große Mining-Pools im großen Stil Grafikkarten ab, wodurch der Gebrauchtmarkt kurzfristig regelrecht überschwemmt wurde. Vom Gebrauchtkauf wird aktuell aber häufig abgeraten, da die Risiken den Preisvorteil oft überwiegen. Die Umstellung auf Ethereum 2.0 könnte also auch bei fabrikneuen GPUs zu weiteren Preissenkungen führen.

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Kryptomining war einer der großen Preistreiber. Durch den Wertverlust großer Währungen und technischen Umstrukturierungen ist dieser Faktor in Zukunft jedoch wohl zu vernachlässigen.

Chiphersteller leiden weiter unter Lieferengpässen

Über die durchaus angespannte Gesamtsituation sollte man sich dennoch kein falsches Bild machen. Der aktuelle Preisfall bedeutet nicht, dass die Produktion wieder auf Hochtouren läuft. Bei den verfügbaren Produkten handelt es sich aktuell hauptsächlich um Lagerbestände. Aufgrund des Halbleitermangels lässt sich die hohe Nachfrage weiterhin kaum bedienen. Neben den eigenen GPUs laufen auch die Next-Gen-Konsolen von Sony und Microsoft mit Chips aus dem Hause AMD. Hinzu kommen Prozessoren für Razer-Blade-Laptops, die allesamt dieselben 7-nm-Chip-Wafer nutzen. Aufgrund von Priorisierungen im letztjährigen Vorweihnachtsgeschäft, musste AMD seine Grafikkarten vorläufig in die Warteschleife setzen. Von den Lieferengpässen und Versorgungsschwierigkeiten sind jedoch alle Grafikkartenhersteller betroffen.

Hinzu kamen im letzten Jahr weitreichende Versandprobleme auf internationaler Ebene, die zu einem folgenreichen logistischen Chaos führten. Die Ursachen ließen sich sowohl auf die verschärften Anti-Corona-Maßnahmen in China als auch auf ins Stocken geratene Handelsbeziehungen zwischen China und den USA zurückführen.

Trend könnte sich im kommenden Jahr fortsetzen

Zumindest zu einer weiteren Verknappung von Grafikkarten dürfte es in den folgenden Monaten nicht mehr kommen. Ob das Preisniveau auch weiterhin fällt und somit immer weiter in Richtung UVP bewegt, kann niemand mit absoluter Gewissheit sagen. Möglich wäre auch, dass sich die Preise ab einem bestimmten Punkt einpendeln. Eine sprunghafte Verteuerung ist unter den gegebenen Umständen jedoch äußerst unwahrscheinlich. Jedoch zeigt das Beispiel GPU sehr deutlich, wie stark die Märkte für PC-Komponenten vom Weltgeschehen beeinflusst werden.

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