Die Spiele-Industrie hat Musik und Kino überholt

Die Ankündigung des Software-Riesen Microsoft, den Spielgiganten Activision Blizzard übernehmen zu wollen, hat nicht nur die Spiele-Industrie aufgeschreckt. Der Deal in Höhe von 68,7 Milliarden Dollar wird Microsoft mit einem Schlag auch zur Nummer 3 der umsatzstärksten Entertainment-Branche machen. Diese hat sich im letzten Jahrzehnt emanzipiert und die Bereiche Musik und Kino nach Umsätzen deutlich überholt.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung waren die technischen Innovationen der letzten 20 Jahre. Der rasante Aufstieg des Internets und der Smartphones hat die Spiele von ihren physischen Fesseln befreit und gleichzeitig einen gigantischen weltweiten Markt eröffnet. Das lässt sich auch an zahlreichen Online-Spielen ablesen.

Die Technik treibt das Wachstum an

Während man früher zu Hause oder in einem Casino spielte, eröffnen sich heute für die Konsumenten riesige Spielwelten online. Die Bemühungen des internationalen Technologieunternehmens Microsoft, seinen Xbox Game Pass zu einem Netflix der Spiele auszubauen, sind in vollem Gange. Das bewies zuletzt die spektakuläre Übernahme des Gaming-Konzerns Activision Blizzard. Dessen umfangreiche Angebote soll Microsoft in die Pole-Position bringen.

Ähnlich verläuft auch die Entwicklung bei den Casinos. Dort verlagert sich das Geschehen immer mehr zu Online-Anbietern wie PokerStars Vegas, wodurch eine Vielzahl verschiedener Slots angeboten werden, die oftmals von alltäglichen Begebenheiten, Feiertagen oder auch bekannten Filmen und Serien inspiriert sind. Im Gegenzug dazu setzt beispielsweise der japanische Elektronikkonzern Sony mit seiner neuen PlayStation 5 weiterhin auf eher traditionelle Formen des Gamings. Anders als Microsoft betrachtet man dort die Konsole weiterhin als ideales Endgerät. Welche Strategie sich am Ende als erfolgreich erweist, steht aktuell noch nicht fest.

Jährliches Wachstum von 12 %

Doch Microsoft dürfte mit der Akquisition des Herstellers von World of Warcraft, Call of Duty und Candy Crush mächtig vorgelegt haben und sich einen großen Anteil am Kuchen sichern. Immerhin gab das Unternehmen schon vor dem Verkaufsstart der aktuellen Konsole Xbox Series X bekannt, dass man seine Zukunft weniger im Verkauf von Endgeräten, sondern im Aufbau des hauseigenen Online-Dienstes sehen würde.

Diese Festlegung ergibt Sinn, wenn man die Zahlen in der Branche näher betrachtet. Das durchschnittliche Wachstum in der Spiele-Industrie beträgt seit Jahren 12 Prozent. Mit einem Gesamtjahresumsatz von rund 150 Milliarden Dollar pro Jahr, lässt die Spiele-Industrie Hollywood und die Musikindustrie weit hinter sich. Ihre Umsätze übertreffen sogar jene der beiden Unterhaltungs-Dinosaurier zusammengenommen, denn diese erreichen lediglich 43, bzw. 19 Milliarden im Jahr.

Der 5G-Standard und Virtual Reality sind auf dem Weg

Experten sind sicher, dass dieser Trend weiter anhält. Die größten Absatzmärkte befinden sich in China, den USA und Europa. Dort erzielt die Branche jeweils fast ein Viertel ihrer Einnahmen. Befeuert wird das enorme Wachstum durch technische Innovationen. Was einst das Internet erst so richtig in Gang gesetzt hat, übernehmen heute die Smartphones und die immer schneller werdenden Internetverbindungen. Die Zukunft heißt mobile-first, das zeigen die Zahlen überdeutlich. Die Industrie verdient bereits fast die Hälfte ihrer Einnahmen durch Mobile Games. Im Detail betrachtet kommen 48 Prozent aus dem Bereich Smartphones, 31 Prozent von Konsolen und nur noch 21 Prozent vom PC.

Diese Entwicklung wird sich durch die bevorstehende 5G-Revolution voraussichtlich noch beschleunigen. Immerhin wird es dann möglich sein, auch grafikintensive Blockbuster-Games am Smartphone ohne Verzögerungen oder Ruckeln zu streamen.

Mit Virtual Reality steht bereits der nächste Massentrend in den Startlöchern. Nicht umsonst hat Facebook bereits das Metaverse als großes Ziel ausgerufen und möchte seine digitale Welt um zahlreiche Funktionen erweitern. Das wäre der ideale Nährboden für weitere Innovationen der Spiele-Industrie, die schon jetzt in den Alltag Einzug gehalten hat.

Gespielt wird immer und überall, auf zahllosen Endgeräten, ebenso wie am PC oder auf der Konsole. Sogar lokale Fußballvereine verlegen mittlerweile bei Bedarf ihre Spiele in die digitale Welt. Doch zukünftig dürften die Spiele fast vollständig in die Cloud abwandern. Darüber hinaus arbeitet die Industrie daran, ihre Angebote verstärkt zu personalisieren. Dann sollten die Games genau jenen Content automatisch generieren, den die jeweiligen Spieler auf Basis ihrer Daten sehen möchten.

Nicht vergessen sollte man den Boom von eSport. Dabei handelt es sich um ein eigenes Ökosystem innerhalb der Spiele-Industrie. Dieses haben längst auch große Sportvereine, wie der FC Bayern München, für sich entdeckt. Sie profitieren von einem enthusiastischen Publikum, das seinen Stars millionenfach in Live-Streams folgt. Dieser Boom lockt große Wirtschaftsunternehmen an, die sich gerne mit dem Sponsoring der Teams schmücken. Von diesem Kreislauf profitieren alle Beteiligten und sorgen so für noch mehr Publicity für eine Branche, die sich an die Spitze der Unterhaltungsindustrie gesetzt hat.

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