HALO: Die Serie – Der Master Chief wird zum Serienstar

Ich durfte für euch vorab einen Blick auf die ersten zwei Folgen der HALO-Serie werfen, die seit dem 24. März 2022 auf SKY zu sehen ist. Was ich nach zwei Folgen von der lang erwarteten Serie halte, erfahrt ihr im Artikel. Das Ganze natürlich spoilerfrei.

 

First Things first

Zu aller erst muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich bisher nur sehr wenig Erfahrung mit HALO habe. Weder mit den Spielen noch den Comics oder bisherigen Serien konnte ich so recht was anfangen. Ich betrachte die Serie daher aus der Perspektive eines blutigen HALO-Neulings, der sich gerade so die nötigsten Infos geholt hat, um möglichst unvoreingenommen und ohne besondere Erwartungen einzusteigen.

Erstmals wurde die Live-Action-Serie bereits 2013 im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der XBox angekündigt. Woran es lag, dass danach nicht mehr wirklich viel handfestes davon zu hören war, kann man nur mutmaßen, aber ich persönlich schätze, dass es am eher durchwachsenen Erfolg der Konsole gelegen haben dürfte. Man wollte wohl keine zusätzlichen Baustellen aufmachen, um keine zu hohen Erwartungen zu wecken, denn immerhin stand die gesamte Marke Xbox damals kurz vor dem Aus. Da hätte eine Serie zu einer der beliebtesten Spieleserien eventuell nicht so gut getan. Und wenn die dann eventuell noch gefloppt wäre … man braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, wie das ausgegangen wäre. Aber sei es drum. Seit Phil Spencer am Steuer des Schiffs steht, geht es bergauf mit der Marke Xbox. Und einen besseren Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Serie hätte man kaum wählen können. Manchmal ist es dann doch gut, dass Dinge etwas länger dauern.

Wer die Spiele, Comics und bereits veröffentlichten Serien nicht kennt, den kann ich an dieser Stelle beruhigen. Zumindest die ersten beiden Episoden kann man auch ohne diese Vorkenntnisse gut verstehen. Etwas mehr über das HALO-Universum zu wissen, dürfte aber trotzdem nicht verkehrt sein. Von daher empfehle ich euch, eine der vielen Story-Zusammenfassungen des Universums auf YouTube anzuschauen, um vor allem Details und eventuelle Anspielungen im weiteren Verlauf der Serie besser verstehen oder überhaupt erkennen zu können. Denn davon gibt es schon in den ersten beiden Folgen einige. Und auch die verbleibenden sieben Episoden dürften die ein oder andere Referenz enthalten.

Coolness braucht nicht viele Worte

Die Serie lässt sich glücklicherweise nicht all zu viel Zeit, um auf Touren zu kommen. Kein langes Einführen in das Universum und seine Charaktere, keine unnötiger Prolog der irgendwelche vorangegangenen Ereignisse erklärt. Das passiert alles Stück für Stück nebenbei.

Was direkt zu Beginn sehr positiv auffällt, ist, dass die Serie nichts künstlich verschönt darstellt. Den Krieg zum Beispiel. Schon in den ersten Minuten werden Gliedmaßen durch Explosionen abgetrennt und Unschuldige sterben auf teils grausame Weise. Auch vor Kindern wird nicht halt gemacht. So makaber es auch klingen mag: So ist Krieg. Er ist in jedem Universum grausam und eine Serie, in der ein Krieg tobt, sollte diese Grausamkeit nicht verstecken. Allein schon, um authentisch zu bleiben.

Dagegen wirkt der erste Auftritt des Master Chiefs dann fast ein bisschen übertrieben comichaft. Die Superheldenlandung mit anschließendem Niedermähen aller Gegner macht klar, wer hier das Sagen hat. Das Ganze passiert teilweise auch in der aus den Spielen bekannten Egoperspektive inklusive HUD. Auch die Geräuschkulisse ist 1zu1 übernommen. Dass markante Piepen, wenn der Schild der Mjolnir-Rüstung aufgebraucht ist und dann das anschließende Geräusch, wen er sich wieder auflädt. GEIL! Da lacht das Gamer-Herz. Und wenn dann noch seine drei Spartan-Kameraden mitmischen, fliegen so richtig die Fetzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Was die Action und die Inszenierung angeht, kann man HALO also absolut nichts vorwerfen.

Es gibt nur einen Master Chief. / HALO (2022), Paramount+
Es gibt nur einen Master Chief. / HALO (2022), Paramount+

Die Dialoge, speziell dann, wenn die Spartans was zu sagen haben, wirken eingangs vielleicht ein wenig sehr sparsam, aber irgendwie passt es dann doch zu ihnen. Dem ein oder anderen mögen die teils etwas platten Klischeesprüche und One-Liner der Spartans vielleicht nicht so ganz zusagen, aber das sind immerhin Elitesoldaten, die nur für den Kampf ausgebildet bzw. gezüchtet wurden. Da sollte man nicht unbedingt erwarten, dass sie anfangen Macbeth zitieren oder sonst irgendwelche tiefsinnigen Dialoge zu führen.

Die bei vielen Fans umstrittene Entscheidung, den Master Chief ohne Helm zu zeigen, passt für mich gut zum Ansatz der Serie. Immerhin geht es nach bisherigem Verlauf auch um die Vergangenheit des Chiefs, bevor er zu dem wurde den man kennt. Mir persönlich ist es so lieber, als einfach nur eine 08/15-Kopie der Spiele hinzulegen, die nichts wirklich Neues und interessantes zu erzählen hätte.

Der Cast ist nicht der schlechteste. Pablo Schreiber gefällt mir als Master Chief echt gut und mit Natascha McElhone hat mein eine super Besetzung für Dr. Catherine Halsey gefunden, der ich den Charakter absolut abkaufe. Der Rest des Casts ist nicht ganz so bekannt, macht seine Sache aber bis hier hin echt gut.

Der ein oder andere fragt sich jetzt vielleicht “Was ist mit Cortana?”. Zu der blauen Lady gibt es nach zwei Episoden noch nicht so wirklich viel zu sagen. Sie wird zwar ein par mal erwähnt und es wird kurz erklärt was sie ist, aber ansonsten gibt’s zu ihr nicht viel. Abgesehen vom Cliffhanger am Ende von Episode zwei. Der deutet “dezent” darauf hin, dass die Gute in den folgenden Episoden etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Mayday! Mayday! Wir stürzen ab!

So stark die erste Folge auch war, so schwach kam mir die zweite Episode vor. Vieles wirkte ein wenig gestreckt, und seltsam künstlich zurechtkonstruiert. Das Pacing der zweiten Episode wirkt unpassend und sorgt für ein seltsames Ungleichgewicht in der bis dahin aufgebauten Stimmung. Insgesamt bleibt die Geschichte um dem Master Chief zwar interessant, aber so recht überzeugt hat mich die zweite Episode nicht. Da kommen bei mir auch leichte Befürchtungen auf, dass die Serie eine ähnliche Abwärtskurve hinlegen könnte, wie Das Buch von Boba Fett. Nach Episode zwei ging es da für mich praktisch im freien Fall nach unten. Ich hoffe natürlich, dass das nicht passiert, aber ein wenig Sorge habe ich schon.

Die spannendste Frage nach zwei Episoden ist für mich als HALO-Neuling „Wer ist Dr. Catherine Halsey und wie wichtig wird sie im Verlauf der Serie noch werden?“ Der Charakter der Dr. Catherine Halsey ist vor allem deswegen so interessant, weil man sie bis hier hin nicht wirklich einschätzen kann. Auf welcher Seite steht sie? Sie hilft, entgegen ihrer Befehle, dem Master Chief aber gleichzeitig agiert sie auch im Sinne der UNSC, um dann aber wieder das Gefühl aufkommen zu lassen, dass sie eigene Ziele verfolgt. Der Charakter wird für mich dadurch zu einem treiben Faktor um die Serie auf jeden Fall weiter zu verfolgen. Ich will verdammt nochmal wissen, was es mit der Frau auf sich hat. Der Rest der Handlung ist zwar ganz gut, haut mich aber noch nicht wirklich vom Hocker. Ich hoffe, dass die Serie hier noch ein wenig nachlegt.

Wo wir schon beim Thema Befehle sind. Insgesamt scheint das Befolgen von Befehlen und Anweisungen in der Serie nicht wirklich so genau genommen zu werden. Gefühlt verstößt jeder Charakter mindestens einmal gegen einen klaren Befehl. Das wirkt seltsam zurecht konstruiert und will bei mir irgendwie nicht so ganz zünden. Kann doch nicht sein, dass Befehle von keinem mehr befolgt werden. Immerhin herrscht im Universum Krieg. So recht will das nicht ins Bild passen und lässt ein Gefühl von “Das wirkt irgendwie doof.” zurück.

Kann der Master Chief Mittelmaß?

Unterm Strich muss ich gestehen, dass ich ein wenig gemischte Gefühle habe. Die erste Episode ist verdammt gut. Sie führt toll ins Geschehen ein, macht mächtig Bock auf mehr und konnte mich vor allem bei den Kostümen und der Inszenierung überzeugen. Die Animierten Aliens wirken zwar so unnatürlich wie in den meisten anderen Science-Fiction-Serien, aber alles in allem spielt HALO in Sachen Effekte ganz weit oben mit. So gut sieht man das in Serien nicht all zu häufig.

Ein abschließendes Fazit lässt sich nach zwei Episoden natürlich noch nicht ziehen, von daher halte ich mich da auch ein wenig zurück. Was ich in den ersten zwei Episoden gesehen habe, weckt einerseits die Hoffnung, dass HALO eine tolle Serie wird, denn das Potential ist definitiv vorhanden, aber andererseits ist da auch eine gewisse Sorge, dass die Serie nach dem guten Start in die Mittelmäßigkeit oder gar noch tiefer abrutscht. Das würde vor allem dem Master Chief nicht stehen. Mittelmaß und Master Chief passen halt einfach nicht zusammen.

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