Neuregulierung beim Online-Gaming: Sind lizenzierte Online-Casinos jetzt vertrauenswürdig?

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass in Deutschland Online-Casinos lizenziert werden können. Für Gambler ist das hervorragend, denn sie können nun auch online auf völlig legalem Boden zocken, ohne die Zehenspitzen in die Grauzone stecken zu müssen. Zudem bietet die Lizenzierung natürlich eine Rechtssicherheit, denn jedes Casino mit eben dieser Lizenz muss sich an feste Regeln halten. Für die Online-Casinos kann das ebenfalls vorteilhaft sein, denn ein festes Regelwerk besagt, dass niemand aus der Reihe tanzen und sich Wettbewerbsvorteile beschaffen darf. Aber wie sieht der Markt aktuell aus und welche Bedingungen müssen Casinos erfüllen?

Abbildung 1: Online-Casinos sind hierzulande mittlerweile mit deutscher Lizenz spielbar – doch wie sieht es mit Lizenzen aus anderen EU-Ländern aus? Bildquelle: @ Krzysztof Hepner / Unsplash.com

Welche Voraussetzungen müssen Online-Casinos für die Lizenz erfüllen?

Im Grunde genommen ist die Lizenzierung von Online-Casinos vergleichbar mit der des DFB oder der DFL. Es gibt einen Regel- und Vorgabenkatalog und jeder, der in den Ligen (auf dem Glücksspielmarkt) mitspielen möchte, muss diese Vorgaben erfüllen. Anderenfalls gibt es keine Lizenz oder eine solche wird entzogen. Aber welche Voraussetzungen gelten?

Seit Oktober 2020 galten Übergangsregelungen, die von den Bundesländern entschieden wurden. Etliche Casinos nahmen an der Übergangsregelung teil, denn sie bot einen gravierenden Vorteil: Das Casino konnte sich bewähren und rascher eine Lizenz aus Deutschland erhalten. Die Regeln für die Übergangszeit gelten aber auch nun mit dem Glücksspielstaatsvertrag:

  • Anbieter – der Anbieter muss seinen Sitz in einem EU-Staat haben, mindestens aber in einem Land, welches einen Vertrag im Sinne der EWR hat. Somit sind auch Anbieter aus Skandinavien oder der Schweiz nicht ausgeschlossen. Angebot – das Angebot muss in deutscher Sprache vorliegen. Mehrsprachige Seiten/Spiele sind natürlich erlaubt.
  • Spielerkontrolle – der Anbieter muss den Spieler identifizieren, das Alter authentifizieren und gesperrte Spieler ausschließen. Zudem darf nun ein Spielkonto je Spieler vorliegen.
  • Demo-Versionen – sie sind nicht mehr erlaubt.
  • Zahlungen – sie müssen dem Geldwäschegesetz entsprechen, was anonymisierte Zahlungen via Paysafecard und anderen Diensten ausschließt.
  • Limit – jeder Spieler darf nur noch 1.000 Euro im Monat je Anbieter für das Spiel einzahlen. Gewinne werden von dem Limit ausgeschlossen.

Der Kernpunkt ist der Spielerschutz. So müssen Früherkennungssysteme vorhanden sein, für den Spieler muss ein Panikbutton verfügbar sein und einige Spiele sind im deutschen Lizenzverfahren noch nicht erlaubt. Die Klassiker wie Roulette, Black Jack sind verboten, Online-Poker hingegen schon. Auch sind Live-Casinos aktuell nicht erlaubt.

Die Einschränkungen betreffen aber nicht nur das klassische Lizenzierungsverfahren und könnten, im Sinne der Klassiker, aufgehoben werden. Poker, Roulette und Black Jack, also die im Live-Bereich angebotenen Spiele, unterliegen im Glücksspielrecht den einzelnen Bundesländern. Diese müssen für sich eine Regelung finden, inwieweit sie dem klassischen Spiel im Online-Bereich zustimmen.

Gibt es noch Casinos ohne Lizenz?

Diese Frage ist durchaus rhetorischer Natur. Natürlich gibt es in den Weiten des Internets Online-Casinos, die keine deutsche Lizenz besitzen oder sie überhaupt beantragen. Allerdings sagt ein neues Urteil des BGH aus, dass solche Casinos nun strikt illegal in Deutschland sind und die Grauzone somit praktisch abgeschafft ist. Aber was bedeutet das?

  • Verlorenes Spiel – mit dem BGH-Urteil im Rücken ist es Spielern tatsächlich möglich, Erstattungsansprüche nach verlorenen Spielen zu stellen. Der Grund ist schlichtweg, dass das Spiel von vornehinein nicht legal war. Da auf illegalen Regeln kein Vertrag (Spielangebot und Spielannahme) zustande kommen kann, dürften Casinos schadenersatzpflichtig sein.
  • Einzelne Gerichte – immer mehr Gerichte haben hinsichtlich der Erstattungsfrage schon zu Gunsten des Spielers entschieden.

Dennoch wird auch das BGH-Urteil nicht verhindern, dass ein Spieler aus Deutschland in Online Casinos spielen kann, von denen einige auch ohne Lizenz seriös angeboten werden. Die Casinobetreiber selbst müssten Spieler vom Spiel ausschließen, doch ist das oft weder gewollt noch möglich. Netzsperren sind in Deutschland, anders als in der Schweiz, kein mögliches Mittel, davon abgesehen, dass sich Netzsperren für ausländische Betreiber ohnehin als wenig hilfreich im Alltag erweisen. Es ist kein Geheimnis oder ein böser Ratschlag aus dem Dark Web, dass die Nutzung eines VPN mühelos Ländersperren aufhebt. Zu verhindern, dass ein deutscher Spieler in einem in Deutschland nicht lizenzierten Casinos spielt oder es auch nur findet, ist fast unmöglich.

Nutzer sollten immer genau hinschauen

Wenngleich es möglich ist, die nicht lizenzierten Anbieter zu erreichen, so sollte sich jeder Spieler die Frage stellen, ob das auch sinnvoll ist. Denn ein Erstattungsanspruch lässt sich rechtlich vermutlich auch umkehren, sodass ein Gewinn nicht ausbezahlt wird, weil der Spieler schließlich illegal bei dem Anbieter zockt und sich praktisch eine Leistung erschlichen hat. Zumal die Geldwäsche künftig aktiver bekämpft werden wird, was durchaus dazu führen kann, dass ein solcher Gewinn nicht auf dem Bankkonto eingehen wird. Daher gilt:

  • Lizenz – ein Casino sollte mittlerweile eine deutsche Lizenz haben oder sich wenigstens im Lizenzierungsverfahren befinden. All die großen und bekannten Online-Casinos laufen längst unter deutscher Flagge, sodass ein Spieler keine Einbußen bezüglich Umfang und Auswahl hat.
  • Auswahl – die großen Anbieter sind längst in Deutschland aktiv. Jeder Spieler kann also das zu ihm selbst passende Casino finden. Der Schwerpunkt des Online-Gamblings wird weiterhin von virtuellen Automatenspielen beschrieben.
  • Zahlungen – es sollten möglichst viele Zahlungswege in beide Richtungen zur Verfügung stehen. Lizenzierte Casinos können nun auch ganz normal auf Girokonten überweisen, sodass die Umwege über Zahlungsdienstleister nicht mehr unbedingt notwendig sind. Anonyme Zahlungsdienstleister sind ohnehin ausgeschlossen.

Ist sich ein Spieler unsicher, ob ein Casino über eine deutsche Lizenz verfügt, so kann er jederzeit bei der deutschen Glücksspielbehörde nachfragen. Die Behörde dient nicht allein der Lizenzierung und Aufsicht, sondern ist auch eine Klärungsstelle für Spieler.

Abbildung 2:Die deutschlandweite Regulierung von Online-Casinos war mehr als überfällig – doch welche Neuerungen bringt sie? Bildquelle: @ Wesley Tingey / Unsplash.com

Fazit – Verbot durch die Hintertür

Das BGH-Urteil stellte zwar fest, dass das deutsche Glücksspielrecht vor dem EU-Recht gilt, doch wissen die Richter auch, dass das Internet grenzenlos ist und echte Sperren nicht durchführbar sind. Spielern jedoch das Recht zuzusprechen, jegliche Verluste bei dem illegalen Casino geltend zu machen, ist ein Verbot durch die Hintertür. Künftig werden immer weniger nicht in Deutschland lizenzierte Casinos das Risiko eingehen, Spieler aus Deutschland zuzulassen. Das Risiko einer Rückforderung ist schlichtweg zu groß. Und da Spieler nicht darauf vertrauen können, dass Gewinne aus illegalem Spiel überhaupt auf dem Konto eingehen, dürfte sich das Problem mit der Zeit von selbst geben. Gambler verpassen jedoch nichts, wenn sie lizenzierte Casinos nutzen, da die großen Anbieter ohnehin schon unter deutscher Flagge laufen.

 

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