Donnerstag, September 24, 2020

Relicta im Test – Schalter und Kisten und Kisten und Schalter

Relicta, von Mighty Polygon entwickelt und veröffentlicht von Ravens Court und Koch Media erschien am 04.08.2020 für PC, PS4, Xbox One und Stadia.

Getestet wurde auf der Playstation 4 Pro, für die wir freundlicherweise einen Key erhalten haben.

Ok, nächstes Rätsel.

Wieviele Blöcke gibt’s hier? Drei? Wo ist der Anfang? Hier ist der Ausgang, dafür muss ich diesen Schalter betätigen. Die Kiste kriege ich über diesen, diesen und diesen Magneten hier rüber, aber wie kriege ich sie zum ersten Magneten? Ah, ich brauche erst den anderen Block. Ok, dann muss ich nur noch die erste Kiste an diesen beiden Energieschranken vorbei in den Teleporter da kriegen. Dann wollen wir mal.

So, oder so ähnlich müssten meine Gedankengänge geklungen haben, während meiner Zeit mit Relicta. Und um alle restlichen Zweifel gleich aus dem Weg zu räumen, Relicta ist ein beinharter Genre Puzzler. Damit meine ich nicht, dass das Spiel besonders herausfordernd wäre, wobei es durchaus Rätsel gibt in denen man gezielt um die Ecke denken muss; es bedeutet vor allem, dass der Titel zwischen seinen einzelnen Rätseln lediglich (meist) kurze Laufwege und ein wenig Dialog auffährt um die Protagonistin daraufhin gleich ins nächste Rätsel zu werfen.

Aber von vorne…

Wir spielen Angelica Patel, die im Jahr 2120 auf dem mittlerweile terraformten Mond in der Chandra Forschungsstation mit Schwerkraft und Magnetismus experimentiert. Ausgerechnet als ihre Tochter Kira als Nachwuchsforscherin auf dem Weg zur Forschungsstation ist, kommt es zu einem mysteriösen Zwischenfall und die anderen Mitglieder unserer Forschungskolonie sind verschollen oder stecken auf der anderen Seite des Mondes fest und wir müssen uns nun durch einen Komplex von Physikexperimenten Rätseln um unsere Tochter sowie unsere Kollegen zu retten und natürlich das Mysterium zu lüften.

Dabei sind die Dialoge durchweg gut im englischen vertont und die deutschen Untertitel sind zumindest zweckmäßig. Schwer zu sagen, ob hier und da nicht der Google Übersetzer aushelfen musste. Optisch fährt das Spiel dazu einige durchaus ansehnliche Landschaften auf. Wir befinden uns zwar auf dem Mond, dieser wurde aber wie erwähnt terraformt und ist nun mit allen typischen Videospiel Biomen überzogen, man will schließlich in jeder erdenklichen Klimazone Physik- und Schwerkraftexperimente durchführen, und so rätselt man sich von waldigen Tälern durch eisige Glätscher zu sandigen Steppen. Die Biome sind aber ausschließlich kosmetischer Natur und werden nicht in die Rätsel eingebaut. So sind eisige Rampen nicht plötzlich rutschiger und in den Canyons der Steppe gibt es keine starken Winde, die eine Anpassung an die Umgebung nötig machen würden. So reicht die Kulisse allenfalls um unterschiedliche Level zu kennzeichnen und zur optischen Abwechslung. Wobei es mit der optischen Abwechslung bei Relicta tatsächlich nicht besonders weit her ist. Die gleichförmigen Rätsel auf der Mondbasis mit ihren immer gleichen Kisten, Schaltern und Energieschranken hinterlassen nach einer Weile einen recht faden Eindruck und die Abwesenheit von NPCs lässt die Spielwelt einsam und leblos wirken, da helfen auch die netten Dialoge nicht. Insgesamt ist die Präsentation also eher zweckmäßig.

Die Bedienung ist ebenso zweckmäßig wie die Optik, sobald man die Analogstick Sensitivität auf ein persönlich angemessenes Niveau geschraubt hat. Lediglich die Tastenbelegung für den tragbaren Computer, mit dem man sich sammelbare E-Mails und Textlogs ansehen kann, ist mir immer mal wieder ungewollt aufgegangen. Das kann aber auch nur meine persönliche Controller Konditionierung sein.

Die Rätsel…

Kommen wir aber endlich zu des Pudels Kern von Relicta, den Rätseln. Zum einen haben wir es mit einer altbekannten Mechanik der Videospiellandschaft zu tun, Kisten- und Schalterrätsel. Die kenne ich schon seit den 90ern aus diversen Zelda Spielen und sie sind selbst da schon ein alter Hut gewesen. Relicta frischt das Konzept mit Schwerkraft und Magnetismus Elementen auf. So können wir auf Knopfdruck Kisten schwerelos machen und ihnen eine positive oder negative Polarität verpassen. Gleich und gleich stößt sich ab und unterschiede ziehen sich an, wie im wahren Leben. Wenn ich also zwei Blöcke nebeneinander stelle, einen auf rot und einen auf blau schalte (die beiden Farben verbildlichen die Polaritäten im Spiel) kleben beide aneinander. Wenn ich nun die Farbe eines der Blöcke ändere stoßen sie einander ab und schwerelose Blöcke fliegen dann in die entsprechende Richtung bis sie die Levelgrenze erreichen, was in der Regel kein besonders weites Stück ist. Die Rätsel sind überschtlich in einzelne Abschnitte unterteilt, in denen vor allem Energieschranken geöffnet werden wollen, indem man Boden- oder Wandplatten betätigt oder mit Blöcken beschwert. Aber auch Schluchten und andere Hinternisse müssen auf schwerelosen Kisten gleitend überwunden werden.

Zusammengehalten werden die einzelnen Rätsel durch einen zweckmäßigen Storyüberbau, den Rätselfreunde aber getrost ignorieren können, es sei denn sie freuen sich über alles an Kontext was die Rahmenhandlung von Sudoku oder Kreuzworträtseln übertrifft. Mich hatte die Handlung jedenfalls an dem Punkt verloren – absolute Puristen könnten das hier vielleicht als einen Spoiler wahrnehmen, daher eine kleine, übervorsichtige Spoilerwarnung – als Alicia die Rätsel auf dem Weg ihre Kollegen zu retten deaktivieren wollte um sich dann doch mühsam durch zu experimentieren, da über eine ausserplanmäßige Deaktivierung der Aufsichtsrat informiert würde. Gut, dass die sich nicht für ausserplanmäßige Blackouts und totale Systemausfälle interessieren. Die politischen Herausforderungen bleiben im ersten Spieldrittel ausschlaggebender Motivator für viele fragwürdige Entscheidungen in der Story. Das mag durchaus realitätsnah die akdemische Welt der Forschung skizzieren, macht aber für keine spannende Hintergrundgeschichte, zumal sie sich bei dem was auf dem Spiel steht teilweise ad absurdum führt. Mein verlorenes Interesse konnte dann auch das mysteriöse und Titelgebende Relicta, ein außerirdisches Objekt mit einer eigenen Agenda, mit dem man bereits im Prolog unangenehm Bekanntschaft schließt, nicht wieder wecken.

Das junge, spanische Team von Mighty Polygon hat sich einiges einfallen lassen, um aus den simplen Zutaten die es verwendet eine üppige Menge an unterschiedlichen Kopfnüssen zuzubereiten, nach ein paar Rätseln am Stück schmeckt allerdings alles recht gleichförmig und die kleinen Happen der Hintergrundgeschichte helfen kaum dem ganzen zusätzliche Würze zu verleihen. Ich ziehe meinen Hut vor dem fünfköpfigen Entwicklerteam und seinem ersten veröffentlichten Titel, wirklich empfehlen kann ich Relicta aber nur beinharten Rätselfans, die The Witness und Portal schon lange und mehrfach durch haben und denen Superliminal oder Antichamber vielleicht etwas zu absurd waren. Oder denen, die einfach gerne mal wieder gepflegt und entspannt rätseln wollen, ohne stressiges ballern oder looten, und im vorbeigehen gibt es noch eine klassische Sci-Fi Story oben drauf. Zumindest letzteren würde ich aber empfehlen sich die ersten paar Rätsel in einem Let’s Play anzuschauen und zu überlegen, ob sie das in allen erdenklichen Variationen für acht bis zwölf Stunden spielen wollen. Ich für meinen Teil habe bereits nach fünf aufgegeben.

Bewertung

Grafik
6
Sound
6
Gameplay
5
Story
4
Umfang
7
Abwechslung
4

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