Tamarin

Tamarin im Test – ein 3D-Action-Adventure der anderen Art

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Tamarin erschien am 10. September auf PlayStation 4 und PC. Tamarin spielt in einer wunderschönen nordischen Umgebung und Star des Spiels ist der süßeste Affe der Welt, der seine Familie vor der stetigen Zerstörung durch Insekten beschützen muss, die die Wälder, in denen die Tamarianer zuhause sind, industrialisieren wollen.

Getestet wurde auf der Playstation 4 Pro, für die wir freundlicherweise einen Key erhalten haben.

Ziemlich süß, doch was macht dieser Igel da?!

Als ich Tamarin zum ersten mal gestartet habe, nichts böses ahnend, dachte ich noch es handle sich um ein etwas altbackenes Jump and Run a la Banjo Kazooie, wie sie heute nur noch selten gemacht werden und noch seltener wirklich gut sind. Die Cutscene zur Eröffnung hinterlässt jedenfalls gleich zu Beginn einen faden Beigeschmack. Vögel zwitschern fröhlich in dem grünen Tal der Tamarine und alles scheint in Ordnung, doch schon marschiert eine Truppe schwer bewaffneter Riesenameisen von einem Fabrikgelände und das Tal steht in Flammen. Drei Tamarine wurden entführt, die Vögel ebenfalls, und bloß wir, der letzte Tamarin aus dem ehemals grünen Tal sind übrig. Ein großer Fehler… Dies ist selbst gegen eine entführte Prinzessin Peach noch eine uninspirierte Handlung.

Vor den verkohlten Ruinen unserer ehemaligen Behausung, in dem verwüsteten Tal beginnt das Tutorial. Laufen, springen, Hechtrolle. Alles ganz nett animiert und das Tamarin sieht auch irgenwie ziemlich knuffig aus, will sich mit seinem übertrieben niedlichen Design aber so gar nicht in diese apokalyptische Szenerie einfügen. Nach unseren ersten paar Schritten finden wir aber gleich das erste Glühwürmchen, Tamarins Variante von Super Marios Sternen oder Banjos Honigwaben, ein Portal in den ersten Level und eine deutlich sonnigere Landschaft. Einen kurzen Moment lang hat man das Gefühl jetzt käme das familienfreundliche Spiel, das man vom Titelbildschirm und dem süßen Protagonisten her vermuten sollte und der freundliche Igel, den man dort trifft lässt einen ganz kurz gutes hoffen, bis er dem Tamarin eine Uzi gibt. An diesem Punkt, keine fünf Minuten im Spiel, hatte ich gefühlt eigentlich bereits alles gesehen zu haben, was ich sehen musste. Aber aus einem überzogenen Drang diese Kritik sorgfältig grundieren zu können und vermutlich aus perverser Neugier habe ich noch fünf Stunden lang weiter gespielt und kann guten Gewissens sagen: hätte ich es doch gelassen.

Was passiert hier?

Tamarin ist in zwei wesentliche Spielmodi aufgeteilt, einen Jump and Run Teil und einen 3rd Person Shooter Teil, wobei ersterer durchaus seine Momente hat und letzterer immerhin abtrennbare Insektengliedmaßen. An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass Tamarin zu dem Zeitpunkt an dem diese Kritik entsteht noch keine Altersfreigabe bekommen hat. Einem unter 12 jährigen würde ich das Spiel aber nicht guten Gewissens in die Hände legen, ich erwähne nochmal die abtrennbaren Insektengliedmaßen.

An Schlüsselstellen im Spiel trifft man den Igel vom Anfang. Manchmal kann man bei ihm Upgrades kaufen, oft steht er aber an Levelübergängen um einem seine Waffen auszuhändigen bzw abzunehmen. Ohne Waffe ist der namenlose Tamarin mobiler, kann in etwa das was Mario in seinen 3D Abenteuern kann, das wirkt teilweise beinahe etwas dreist, dafür sind die Sprünge und Bewegungen in diesen abschnitten durchaus brauchbar animiert und die Levels sind offen und teilweise recht weitläufig, voller kleiner Verstecke und Sammelkrams. Spielspaß findet man auch in diesen Abschnitten recht selten, aber sie sind nicht die bemerkenswerte Katastrophe die die Shooter abschnitte sind. Während wir in den Jump and Run abschnitten vor allem kleinem Krabbelvieh durch Hechtrollen und Purzelbäume den Gar aus machen, bekommen wir es in den Shooter Abschnitten mit schwer bewaffneten Riesenameisen und noch größeren Mistkäfern zu tun. Der größte Gegner ist in diesen Abschnitten aber selbstverständlich die Kamera. Je kleiner das Areal, desto zickiger die Kamera. Vermutlich der einzige Grund, weshalb sie in den weitläufigen Jump and Run Arealen weniger bockig ist.

Aber auch die Lebensenergie, die sich im weiteren Spielverlauf immer schwieriger auffüllen lässt ist ein Handicap. Zum Glück ist die KI quasi nicht existent und die Gegner lassen sich in aller Regel leicht ausmanövrieren, wenn auch manchmal auf Kosten der entführten Vögel, die man tatsächlich einsammeln muss bevor sie von Ameisensoldaten bei unserem auftreten exekutiert werden. Auch das wiederhole ich nochmal: In dem Spiel werden Vögel exekutiert. Die Vögel sehen zwar alle wie Klone voneinander aus, ebenso wie die Ameisen selbstverständlich, aber auch das hinterlässt einen unangenehmen Beigeschmack.

Ich fasse also nochmal zusammen:

In Tamarin spielen wir ein ultra süßes, mit einer Uzi bewaffnetes Tamarin Äffchen (im Verlauf des Spiels kann man noch ein Maschinengewehr und vermutlich einen Raketenwerfer freischalten, alles in handlicher Tamaringröße), das Ameisen die Köpfe und Beine wegballern muss um zu verhindern, dass eben diese Ameisen kleine Vögel erschießen. Das macht sich nämlich ganz schlecht in der Gerettete zu tote Vögel Bilanz am Ende eines jeden Levels. Perfide ist dabei, dass zumindest in der getesteten Version 1.0 die zu rettenden Vögel gerne mal vom Autolock der Uzi anvisiert wurden, im Gegensatz zu den Ameisen drumherum, was in meinem Fall mindestens zwei mal zu friedly fire gegen nichtsahnende, unschuldige Vögel zur Folge hatte. Hoffentlich wurde das in einem der folgenden Patches behoben. Die Patchnotes zu Patch 1.06 besagen aber lediglich, dass damit Patch 1.04 rückgängig gemacht wurde.

Es ist schon ein starkes Stück, was sich die Ehemaligen und Veteranen von Rare da geleistet haben. Scheußliche Texturen, ein monotoner Soundtrack ohne jede Seele, eine hübsch animierte Spielfigur ohne jede Persönlichkeit aber mit einem wahllos zusammengeklauten Moveset, die älteste Videospielgeschichte mit der uninspiriertesten Inszenierung, ein Welt- und Charakterdesign für Kinderaugen mit Gameplay für enthemmte Triggerfinger. Hier will wirklich gar nichts passen. Wer komplett in den 90ern auf gewissen Dingen hängen geblieben ist darf einen Blick riskieren, alle andere sollten einen weiten Bogen darum machen.

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