Freitag, November 27, 2020

Call of Duty: Modern Warfare im Test – hart und kompromisslos

Ein neues Jahr, ein neues Call of Duty. Dieses Jahr gibt es keine abgedrehten Waffen, Exoskelette oder ähnlich futuristisches Equipment. Wir sind wieder zurück in der Ära der modernen Kriegsführung. Im Vorfeld gab es schon viele Stimmen über einen hohen Grad an Gewalt. In wie weit dies gerechtfertigt ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Getestet wurde die 1.04 Version auf der Playstation 4.

Krieg kennt viele Gesichter

Die Kampagne des diesjährigen Call of Duty ist als eine Art Soft-Reboot der Modern Warfare Reihe anzusehen. So treffen wir auf einige alte Bekannte, wie z. B. Captain Price oder die berühmte 141 Task-Force. Jedoch solltet ihr alles, was ihr aus den vorherigen Call of Duty Teilen an Hintergrundwissen zu den jeweiligen Charakteren gesammelt habt, getrost vergessen. Denn durch den eben genannten Reboot der Serie soll sich ein komplett neuer Handlungsstrang eröffnen, welcher Platz macht für weitere Ableger. Für viele Fans dürfte dies mehr als eine Genugtuung sein, gäbe es ja so die Möglichkeit Lieutenant Simon “Ghost” Riley wieder in die Story einzubinden, da er auf tragische Art und Weise in Modern Warfare 2 ums Leben kam. In der aktuellen Kampagne gibt es wieder allerhand Parteien, die in einen Konflikt verwickelt sind. So spielen wir unter anderem auf der Seite der US-Marines, dem SAS, dem CIA oder einer Rebellengruppierung. Unsere Widersacher sind unter anderem Russland sowie Al-Qatala, eine Terroristengruppierung. Zum größten Teil dreht sich alles um das Kriegsgebiet Urzikstan, welches von Russland besetzt ist. Urzikstan ist komplett fiktiv, weist aber einige gravierende Parallelen zu Afghanistan oder Syrien auf.

London steht nach einem Anschlag in Flammen.

Wie weit gehst du für die Freiheit? 

In der Story werden Themen wie Kriegsverbrechen, Folter, Waterboarding und Terroranschläge schonungslos dargestellt. Oftmals kann man auch Entscheidungen treffen wie man eine bestimmte Situation lösen will. Gerade hier muss man eben jene Entscheidung mit seinem Gewissen vereinbaren. Präventivschläge sind ebenso an der Tagesordnung, ist ein ziviler NPC vielleicht eine Bedrohung? Sollte man ihn erschießen, bevor jener es schafft für uns eine reale Bedrohung zu werden? Obwohl die Level sowie Story sehr linear sind, haben wir die Möglichkeit das Spiel auf unsere eigene Art und Weise zu spielen. Am Ende einer Mission können wir beispielsweise eine Wertung einsehen, welche auf die zivilen Opfer während der Mission eingeht. Wie ihr euch schon denken könnt, ist die Kampagne sehr düster und beklemmend. Desweiteren ist sie nicht mehr sehr fiktiv, viele der dargestellten Szenarien sind realistisch, man will weg von den überzogenen Action-Image. Keine Sorge, in der Kampagne gibt es immernoch pompöse Explosionen und einige nervenaufreibende Action Einlagen. Jedoch wirkt es alles mittlerweile reifer und erwachsener. Einsätze sind oftmals taktischer geprägt, mit weniger Feinden als in den vorherigen Teilen, jedoch sind diese mittlerweile auch effizienter geworden und keine einfachen Schiessbudenfiguren mehr. Generell fühlt man sich nicht mehr wie eine one-man army, man ist ein Mitglied einer Special Force oder Rebelleneinheit.

Häuser Infiltrationen gehören ebenso zum Tagesgeschäft.

Schönes Komplettpaket

Grafisch hat sich die Kampagne weiterentwickelt, im Gegensatz zu seinen Vorgängern. Schön anzusehende Lichteffekte, stimmige Charaktere und eine Liebe zum Detail machen die Story von Modern Warfare zu einer Augenweide. In Sachen Sound-Design wurde auch kräftig nachgelegt: Die Waffensounds klingen mächtiger, die Vertonung der Charaktere ist super umgesetzt, alles wird dazu noch von einem grandiosen Soundtrack abgerundet. Gerade die Identifizierung mit den Charakteren macht die Kampagne sehr interessant, auch wenn oftmals moralisch verwerfliche Entscheidungen getroffen werden. Die Spielzeit der Kampagne betrug knapp 7 Stunden, kann aber natürlich von Spielstil zu Spielstil variieren. Nach diesen 7 Stunden ist die Story aber mitnichten zu Ende erzählt, denn im Spezialisten Modus wird diese nahtlos fortgesetzt.

Kriegsverbrechen stehen an der Tagesordnung.

Spezialisten unter sich

Neben der Kampagne und dem Mehrspielermodus, welchen ich später noch genauer erläutern werde, gibt es auch den sogenannten Spezialisten Modus. Hier können wir uns mit bis zu vier Spielern gegen gegnerische Angriffswellen wehren oder die Story In einzelnen Abschnitten weiterspielen. Leider konnten wir die Story noch nicht weiterführen, da die Missionen erst ab nächsten Monat zur Verfügung stehen. Wir sind jedoch schon gespannt, wie es weitergeht und im allgemeinen umgesetzt wurde. Der Survival Modus ist definitiv spaßig für zwischendurch, aber so gesehen nur ein nettes Beiwerk.

Auch offene Gefechte in Straßenzügen dürfen nicht fehlen.

Wer hat die beste K/D

Der aktuelle Serienableger bricht beim Mehrspielermodus mit einigen altbewährten Traditionen des Call of Duty Franchises. Das bekannte Drei-Wege Map Design wurde komplett über den Haufen geworfen, die Maps wirken nun ganzheitlicher und bieten auch mehr Möglichkeiten mit mehr als zwölf Spielern gleichzeitig zu spielen, gibt es ja nun auch den 20 Spieler Modus. Abschuss bestätigt, Hard point sowie Capture the Flag sind bisher nicht als Spielmodi enthalten, dafür gibt es zwei neue Modi. Bodenkrieg, welcher in Battlefield Manier mit 64 Spielern gespielt wird. Inklusive Panzer, Hubschrauber und Truppenfahrzeugen. Bodenkrieg fühlt sich erstaunlich gut an, denn das komplette Gameplay wurde um einiges langsamer sowie taktischer ausgelegt. Rushen ist keine effektive Methode mehr zum Sieg, vielmehr heisst es nun Deckungen nutzen um mit Bedacht vorzurücken. Der neue Cyberwar Modus ist ebenso eine wahre Bereicherung im Fundus der möglichen Spielmodi. Er erinnert stark an Suchen und Zerstören, jedoch gibt es hier noch die Möglichkeit seine gefallenen Teamkamerade wiederzubeleben, um sich im Laufe der Runde einen Vorteil zu verschaffen. Ansonsten sind alle altbekannten Modusvarianten wieder mit an Bord, diese können im normalen Modus, Hardcore oder Realismus gespielt werden.

Viel los bei Bodenkrieg.

Das klären wir im Duell

Eine bis jetzt schon beliebte Spielvariante ist Gunfight. Zwei Teams von jeweils zwei Spielern stehen sich im Duell auf einer kleinen Karte gegenüber. Wer zuerst fünf Runden gewinnt, geht als Sieger vom Feld. Gerade hier ist viel taktisches Geschick, Absprache sowie Treffsicherheit gefragt, was es zu einem sehr anspruchsvollen Modus macht. Definitiv eine Bereicherung im Portfolio vom Call of Duty Mehrspieler-Bereich. Bisher läuft alles noch über Casual Matches ab, aber zu einem späteren Zeitpunkt sollen noch allerlei Ranked-Modi folgen, um den kompetitiven Anspruch weiterhin zu steigern. Eingeteilt wird alles in Seasons, in denen man sich seine Platzierung verdient. Zusätzlich bringt jede Season neue Maps und andere vielfältige Neuerungen. Besonders interessant ist hier: Die neuen Karten werden alle kostenlos sein, also kein Season Pass mehr, der käuflich erworben werden müsste. Sowas ist lobenswert, wer aber trotzdem noch ein wenig Geld loswerden möchte, kann sich unter anderem kosmetische Gegenstände für Echtgeld im Store kaufen.

Der 2 vs 2 Gunfight Modus.

Mit Klasse zum Sieg

Der Klasseneditor wurde auch überholt. So haben wir zwar immer noch 3 Perks, jetzt gibt es nun zusätzlich noch das Feld-Upgrade. Eine Art Spezialfähigkeit, welche nur begrenzt eingesetzt werden kann. Waffen werden wie gehabt über Level freigeschaltet, die verschiedenen Aufsätze sind wiederum an das Waffenlevel gebunden. Im Großen und Ganzen ist das System gut gelungen, jedoch sind bereits Stimmen in der Community laut geworden das ein Perk fehlt. Totenstille (welches die eigenen akustische Schritte gegenüber Gegnern extrem dämpfte) ist nur noch als Feld-Upgrade verfügbar. Dieser Umstand, sowie die mittlerweile taktischer langsamere Vorgehensweise scheint die Online-Spielerschaft aktuell vor ein Problem zu stellen. Der komplette Spielstil muss umgestellt werden, denn mittlerweile haben wir auch die Möglichkeit mit unserer Waffe um Ecken zu zielen, beziehungsweise diese auf Mauern aufzusetzen um weniger Angriffsfläche zu bieten. Diese komplett geänderte Meta resultiert aktuell in vielen Campern, da jeder auf seine K/D bedacht ist. Mit Sicherheit wird noch einige Zeit ins Land gehen, bis die Call of Duty Gemeinschaft sich umgewöhnt hat. Es wurde ein grundlegend anderes Mehrspielererlebnis geschaffen als man es von den Vorgängern gewohnt ist.

Der ansprechend gestaltete Klasseneditor.

Call of Duty: Modern Warfare macht so ziemlich alles richtig, was in den vergangenen Teilen falsch gelaufen ist. Es ist erwachsener geworden und probiert viele neue Sachen aus, die das Konzept zu einem neuen frischen Gesamtpaket werden lässt. Die Kampagne zeigt schonungslos das Grauen von Kriegen, der Multiplayer ist fordernd und der Spezialisten Modus lässt uns die Story mit unseren Freunden zusammen erleben. Es bleibt zu hoffen, dass Activision weiterhin diesen Kurs mit künftigen Call of Duty Teilen fährt, denn meiner Meinung nach haben wir hier einen der besten Teile aus dem Franchise, der endlich neue Wege aufzeigt. 

War es Zeit für gravierende Änderungen bei Call of Duty?

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Marcel Wunnenberg
Groß geworden mit dem Atari 2600. Ein absoluter Fan der Oculus Quest, sowie von Arcade Automaten. Wenn er nicht am zocken ist, schaut er gerne trashige Splatter Filme. Ein Spiel welches nie langweilig wird? DOOM!!!

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