Crysis ist am 18.09. in einer remastered Version auf PC, PS4 und XboxOne erschienen. Nach 13 Jahren läuft Crysis also endlich auf jeder aktuellen Plattform, aber lohnt es sich nach all der Zeit noch das spielbare Benchmark von 2007 zu zocken? Wir haben netter Weise einen Key von Crytek bekommen und können so dieser Frage im folgenden Test auf den Grund gehen.

2007 war ein gutes Jahr für Videospieler. Ich habe in den Untiefen von Bioshocks Rapture eine gruselige Parallelwelt erkundet, bin in Call of Duty 4: Modern Warfare am Rande der nuklearen Apokalypse im Gillie Suit durch die Wiesen von Prypjat gekrochen, habe in God of War 2 einen blutigen Rachefeldzug gegen Götterfürst Zeus gestartet und, und, und.

Assassins Creed, Uncharted: Drakes Fortune, Mass Effect, Mario Galaxy. 2007 war ein gutes Jahr für Videospieler. Und es war ein herausforderndes Jahr für Pcs, denn zwischen all diesen modernen Klassikern erschien Cryteks Crysis, das spielbare PC Benchmark für die Folgejahre. Kann Crysis in der Remastered Version heute noch mehr als nur hübsch aussehen, für ein 13 Jahre altes Spiel?

Freundlicherweise wurde uns ein Playstation 4 Key zum Testen zur Verfügung gestellt!

Das Remaster ist die erste Gelegenheit für mich Crysis spielen. Die Frage „Can it run Crysis?“ hat mein PC damals nämlich kategorisch mit „Nein!“ beantwortet. Die beiden Fortsetzungen, die es auch auf die Konsolen schafften, habe ich aber gespielt. Den zweiten Teil sogar durchaus mit goßem Vergnügen bis zum Abspann, den dritten nur ein paar beiläufige Stunden, aber immerhin. Und jetzt, sieben Jahre nach dem letzten Teil der Reihe, komme ich endlich in den Genuss das Original einmal zu spielen und das auch noch von meiner Couch aus.

Wie damals nur schöner?

Die größte Frage ist selbstverständlich die nach der Grafik und durchaus beeindruckt kann ich sagen, dass Crysis als Remastered auf meiner Playstation 4 Pro eine durchaus gute Figur macht. Für ein 13 Jahre altes Spiel sowieso, aber auch in der ausgehenden Konsolengeneration kann das Spiel durchaus noch mithalten. Nicht mehr als Benchmark und nicht auf dem Niveau eines Last of us Part 2 oder anderer Schwergewichtler dieser Liga, aber die Menge an Details, an animierten Objekten und die Weitsicht sind durchaus noch beeindruckend. Nicht mehr der Augenöffner seiner Zeit, aber auch trotz der verblassten Schönheit immer noch sehenswert. Auf der Playstation läuft das Spiel weitgehend stabil, von ein paar Nachladerucklern hier und da kann ich dem Spiel, zumindest dahingehend, wenig zur Last legen.

Was den Ton angeht gibt es zumindest einen nennenswerten Störfaktor, der vermutlich in der offenen Spielstruktur begründet liegt. Nach einigen der Gefechte brach die Hintergrundmusik für den Kampf derart abrupt ab, ich war mir sicher das Spiel würde jeden Moment abstürzen. Aber es ging völlig unbekümmert und ohne sonstige Probleme weiter und dieses Phänomen ließ sich mehrfach wieder finden und immer wieder die Atmosphäre stören. Vielleicht war das damals üblich in Videospielen, vielleicht sogar ein beliebter Trend, wer weiß sowas heute noch.

Es gibt andere anachronismen, die teilweise in den Nachfolgern bereits ausgebügelt wurden. Weit auseinander liegende Checkpoints, eine hakelige Sprungsteuerung, unübersichtliches Leveldesign, wobei zumindest letzteres auch einen Vorteil bietet. Auf der virtuellen Pazifikinsel, die von virtuellen Nordkoreanern besetzt wurde, kann man die Sandbox im Gamedesign noch richtig spüren. Ich musste regelmäßig an Far Cry 5 denken, das sich durchaus in einer spirituellen Nachkommenschaft zu Crysis verstehen lässt – was auch an dem teils vergleichbar schwammigen Gunplay liegt – in dem ich aber im wesentlichen ohne jeden roten Faden auf einer, mit Fragezeichen und Questmarkern zugekleisterten Landschaft ausgesetzt werde und lediglich gesagt bekomme: „Los, tob dich aus!“ In Crysis gibt es eine, zwar lächerliche, aber durchaus funktionstüchtige Handlung, die die Spielwelt über einen eben solchen roten Faden verknüpft und einzelnen Entscheidungen mehr Gewicht gibt. Schleiche ich mich um den nächsten Wachposten herum oder mähe ich alles nieder? In Far Cry 5 sind das keine echten Optionen, hier kann ich lediglich laut oder leise beim niedermähen vorgehen. In Crysis kann ich dagegen im Supersprint an vielen Auseinandersetzungen schnurstracks vorbei rennen und das hat mir ein angenehmes Gefühl von Entscheidungsfreiheit gegeben.

Ein paar Worte sollte ich aber tatsächlich noch zum Handlungs- und Gameplay Rahmen erzählen. Wir spielen ein Mitglied einer amerikanischen Spezialeinheit, die den Auftrag hat eine Gruppe Archäologen von einer, von der nordkoreanischen Armee besetzten, Pazifik Insel zu evakuieren. Nach kurzer Zeit wird aber klar, dass wir es nicht nur mit Nordkoreanern zu tun haben und wir brauchen jedes Feature unseres cybernetischen Supersoldaten Anzugs um unsere Mission abzuschließen. Aber die Handlung von Crysis ist selbstverständlich nicht der ausschlaggebende Grund, weshalb man es Spielt. Es ist eine Mischung aus der potenten Grafik und dem offenen Gameplay, das den Spieler nicht an der Hand nimmt, sondern ihm lediglich eine präzise Richtung vorgibt und eine Vielzahl an Möglichkeiten seinen Weg zu gehen. Die opulenz der Grafik mag etwas verblasst sein, die Handlung ist kaum der Rede wert und das flache Gunplay kann mit den Call of Dutys und Destinys von heute kaum mithalten. Dafür hat es sich Freiheiten und Möglichkeiten einer vergangenen Ära erhalten, die heutzutage geradezu archaisch erscheinen, sich dadurch aber beinahe schon wieder wie Fortschritt anfühlen.

Fazit

Crysis ist auch 13 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung ein ansehnliches Spiel. Es hat nie die videospielkulturelle Relevanz gleichalter Titel wie Bioshock, Call of Duty 4: Modern Warfare oder Assassins Creed gehabt, die alle ebenfalls 2007 erschienen sind, aber es galt nicht ohne Grund als das Benchmark für PCs seiner Zeit und stellt beeindruckend zur Schau, wie weit Grafik im Videospiel vor mehr als einer Dekade schon war. Wir sind seither gefühlt gar nicht so viel weiter gekommen und bis es ein neues Benchmark a la Crysis gibt und alle sich fragen „will it run?“, das alte Benchmark läuft seit kurzem stabil und ansehnlich auf der Konsole.

Wer gerne einen nostalgischen Trip in ein vergangenes Jahrzehnt der Videospiele machen oder einen dunklen Fleck in der Gamer Vita beleuchten will und kein Problem mit der Abwesenheit einiger liebgewonnener Komfortfunktionen hat darf gerne einen Blick riskieren.

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