Mittwoch, Februar 19, 2020

Greedfall im Test – Kann es den Rollenspiel-Olymp erreichen?

Dieses Jahr war es bisher sehr mau auf dem RPG-Markt und so muss man doch schon einmal etwas genauer hinschauen, wo sich das ein oder andere gute Rollenspiel finden lässt. Aufgrund dessen, dass dieses Spiel nicht stark beworben wurde, wäre mir auch Greedfall fast nicht aufgefallen, bis mich ein Freund darauf aufmerksam machte. Die ersten Trailer führten schnell dazu, das ich es nicht abwarten konnte, die Welt von Greedfall selbst zu erkunden. Ein Spiel, welches mich schnell an Spielegrößen wie Dragon Age erinnert und dabei einen eigenen Charme versprüht. Also Leinen los und ab ins Abenteuer.

Doch zuerst einmal: Wo spielt Greedfall eigentlich? Hier haben die Entwickler sich ordentlich ausgetobt, wir starten unser Abenteuer auf dem Kontinent Gacane in der Hafenstadt Serene. Hier ist eine Krankheit namens Malichor ausgebrochen, welche das Blut der Menschen schwarz färbt und die Erkrankten unter großen Schmerzen sterben lässt. Doch es wurde eine Insel namens Tir Fradi gefunden, welche nun kolonisiert werden soll. Also begleitet ihr euren Vetter als Abgesandter, welcher Gouverneur der Händlerkongregation auf Tir Fradi werden soll, in die Stadt Neu Serene. Auf dieser neuen Insel erkundet ihr dann Areal für Areal und versucht ein Heilmittel gegen die Krankheit zu finden. Nebenbei helft Ihr eurem Vetter sowie diversen anderen Leuten auf der Insel in politischen Angelegenheiten. Dabei trefft ihr diverse einheimische Stämme, wie auch bekannte Fraktionen vom Festland, bei denen ihr durch eure Entscheidungen bestimmt wie hoch euer Ansehen ist.

Nach dem Start des Spiels wurde ich direkt mit einer Videosequenz, in welcher wir malerisch von einem Künstler gezeichnet werden, in die Charaktererstellung geführt. Hier können wir unseren Charakter im Baukastenprinzip erstellen. Geschlecht, Gesicht, Frisur und Skin werden hier schnell ausgewählt. Für den einen oder anderen Rollenspiel-Liebhaber wird das vielleicht etwas wenig Freiraum sein, doch es ist völlig ausreichend um seinem Charakter den persönlichen Stempel aufzudrücken. Nach der Entscheidung über Geschlecht sowie Aussehen wenden wir uns den Fertigkeiten zu, hier sollen wir am Anfang entscheiden in welche Spieltyp-Richtung wir gehen möchten. Wollen wir mit Stärke unsere Gegner niedermähen, mit List das Schlachtfeld kontrollieren oder vielleicht lieber doch dem Gegner magische Geschosse um die Ohren feuern?

 

Unser Charakter wird im Baukastenprinzip erstellt.

Entscheidend ist hier zu wissen, das wir im Skillbaum 6 innere Skills haben, welche im Laufe des Spiels verbessert oder erweitert werden können. Der Stärkepfad verfügt am Anfang über diese Skillungen: Pistolen, Klingenwaffen sowie stumpfe Waffen. Somit können wir fast jegliche Waffe im Spiel führen bis auf magische Ringe oder Waffen, für welche wir erst ein Paar Punkte investieren müssen. Mir persönlich wäre hier eine freie Wahl lieber gewesen, da wir aufgrund von dieser Voreinstellung anfangs nicht die Möglichkeit haben, den Magier in Verbindung mit Pistolen zu spielen oder einen Kampfmagier mit Schwert, anstatt Keule. Sicher wir können alle inneren Skills freischalten, müssen hierfür aber 2 Skillpunkte pro Skill investieren, welche wir am Anfang unseres Abenteuers vielleicht doch erstmal nutzen um stärker zu werden.

 

Wir müssen uns entscheiden welchen Weg wir gehen wollen.

Desweiteren können wir unsere Attribute verstärken, welche unter anderem wichtig für unsere Ausrüstung sind. Zu entscheiden ist zwischen diesen Attributen: Stärke, Beweglichkeit, Mentale Kraft, Willenskraft, Genauigkeit oder Ausdauer. Während uns Ausdauer mehr Lebenspunkte bringt, können wir mit ihr auch immer bessere Rüstung tragen, abhängig von den investierten Punkten. Hingegen benötigen wir Beweglichkeit, um mehr Schaden mit unseren Waffen zu verursachen oder bessere Schwerter tragen zu können.

 

Unsere Attribute entscheiden wie gut unsere Ausrüstung sein kann.

Der letzte Punkt, in welchen wir Skillpunkte investieren können, ist unser Talentbaum, dabei ist es wichtig zu wissen, das sich die Talente in der Welt unterschiedlich nutzen lassen. Die nutzbaren Talente sind: Charisma, Stärke, Handwerk, Intuition, Schlösser knacken und Wissenschaft. Während wir mit unserem Charisma diverse Gespräche zu unseren Gunsten lenken können, so können wir mit dem Stärketalent Hindernisse in der Welt überwinden oder wir nutzen die Wissenschaft um gewisse Wände zu sprengen. Jeder Talentpunkt sollte daher wohlbedacht sein und unserer Spielweise angepasst eingesetzt werden.

Im Laufe des Spiels bekommen wir die Möglichkeit, unsere Talente durch unsere Begleiter oder unsere Kleider zu erweitern. So kann ein Cape auch mal unserem Charisma gut zusprechen, um dieses zu erhöhen. Oder wir bekommen einen Punkt in Stärke, weil einer unserer Begleiter uns freundlich gesinnt ist. So besteht die Möglichkeit, mit recht wenig Talentpunkten einiges an Talenten zu verbessern.

 

Felder mit einem Plus darunter bekommen wir durch Begleiter oder Kleidung gut geschrieben.

Haben wir doch mal den einen oder anderen Punkt an die falsche Stelle gesetzt, so ist dieser Umstand nicht weiter schlimm. Das Spiel bietet uns die Möglichkeit, ab und an sogenannte Erinnerungskristalle zu finden. Mit diesen können wir unseren Talentbaum zurücksetzen. Das kann uns unter Umständen auch ermöglichen einen anderen Pfad auszuprobieren, ohne das Spiel von vorne beginnen zu müssen. Diese Option sollte aber mit Bedacht eingesetzt werden, da diese Kristalle nicht oft gefunden werden können.

Grafisch ist das Spiel sehr schön anzuschauen, da es eine wirklich gut in Szene gesetzte Landschaft in einer wirklich schön erdachten Welt besitzt, welche dazu einlädt, sich einmal mehr umzuschauen. Wenn wir der Sonne auf matschigen Wegen entgegen rennen und die Sonnenstrahlen sich in den Pfützen spiegeln, wirkt das schon sehr eindrucksvoll. Leider kann das Spiel das nicht gänzlich aufrecht erhalten, denn es leistet sich den einen oder anderen Grafikpatzer, was sehr schade ist. So sehen wir auf großen Flächen fast keine Details mehr, oder die Umgebung verzerrt sich, wenn wir zum Beispiel mal schnell eine Treppe hochrennen. Sehr bedauerlich waren auch die immer wieder recycelten Gebäude, wodurch eigentlich so gut wie jedes Gebäude den gleichen Grundriss besaß. Schloss war Schloss und Hafengebäude war Hafengebäude. Diese versuchte man zwar durch andere Innenausstattung abzumildern, wirkte jedoch nach einigen Stunden Spielzeit sehr eintönig. Auch eine Vielfalt an Gegnern war leider nicht gegeben. So hat man zwar bis zu Stunde 15 noch hin und wieder mal einen neuen Gegner gefunden, welcher für ein ”WOW” Moment gesorgt hat, der aber leider schnell verblasste, weil wir im nächsten Gebiet wieder und wieder den gleichen Gegner getötet haben.

 

Ein Wächter von der Insel Tir Fradi.

Die Steuerung des Spiels lässt auf der Playstation 4 keine Wünsche übrig, wir können schnelle und spektakuläre Kämpfe ausfechten oder das Kampfgeschehen pausieren, um in aller Ruhe zu überlegen wie wir weiter vorgehen wollen. Auf welcher Taste wir Fähigkeit platzieren wollen, können wir weitestgehend selbst entscheiden und uns so frei entfalten. Die einzigen Tasten an welche wir gebunden sind, sind die Standard Bewegungs- und Angriffstasten. Durch verschiedene Waffentypen bekommen wir unterschiedliche Bewegungsabläufe sowie Spielweisen präsentiert, so das jeder auf seinen Geschmack kommen sollte. Ebenso testete ich mal das pausieren im Kampf. Spielen wir das Spiel auf leicht, so ist diese Funktion ein nettes Extra, um sich im Kampf umzuschauen, jedoch nicht wirklich von Belangen. Wenn wir aber den Schwierigkeitsgrad erhöhen, sei es auch nur auf Normal, so ist diese Funktion schon bei dem ein oder anderen Kampf mehr als hilfreich, um diesen für uns zu entscheiden.

 

Solche Gegner können wir an mehreren Plätzen auf der Insel antreffen.

Kommen wir nun zu unseren Begleitern, welche wir im Laufe der Geschichte auf verschiedenste Arten kennenlernen dürfen. Jeder Begleiter bringt seine eigene Story mit sich, die im Laufe des Spiels durch spezielle Missionen erkundet werden darf. Dabei integriert sich die Story jedes einzelnen Begleiters sehr schön in die Hauptstory, was nebenbei angemerkt jede Mission in diesem Spiel macht, ob nun Neben- oder Hauptquest. So erfahren wir im Laufe des Plots mehr über die Ureinwohner der Insel sowie deren Rituale. Ebenso über die Vergangenheit unserer Begleiter, welche sich nicht selten mit unserer Eigenen überschneiden. Ihr solltet auch versuchen diese Missionen zu machen, um eure Beziehung zu Begleitern aufzubessern, was durchaus bei bestimmten Story-Entscheidungen ein Vorteil sein kann. Ist unsere Beziehung mit unseren Begleitern auf einem bestimmten Level angekommen, bekommen wir einen Bonuspunkt auf eines unserer Talente, wenn die jeweilige Person uns begleitet. Vorsicht ist geboten bei bestimmten Kombinationen unserer Begleiter: Wenn der eine oder andere die Taten des anderen vielleicht nicht schätzt, könnte sich das unter bestimmten Umständen auch mal auf eure Beziehung auswirken.

 

Die Inselbewohner haben ein ganz eigenes Verhältnis zu den Inselwesen.

Fazit

Ein mehr als lohnenswertes Spiel, das mich mit seiner Story sowie seinem einzigartigen Charme ganz für sich eingenommen hat. Wir treffen viele interessante Charaktere und erkunden eine Insel einer völlig unbekannten Welt, die uns knapp 40 Stunden Spielspaß bietet. Die Grafik hat ihre Schwächen, ist aber alles in allem sehr gut gelungen, da sie gut in Szene gesetzt ist. Unsere Charakterentwicklung ermöglicht viele Freiheiten, wobei mehr Fähigkeiten gerade im Bereich der Magie wünschenswert gewesen wären. Das Recyceln von Gebäuden ist nicht besonders gelungen, hier kann man aber gut und gerne darüber hinweg sehen bei einem ansonsten sehr gelungenen Spiel. Alles in allem reicht es nicht für meine private Nr. 1 der Rollenspiele, jedoch würde ich es definitiv zu meinen Top 5 zählen.

Vielen Dank an die Entwickler für ein sehr schönes Spiel und vielen Stunden Spielspaß.

 

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