Dienstag, Januar 26, 2021

Rage 2 – Die Neuentdeckung der Freiheit einer Open World

Ich beginne ganz ehrlich. Bei Rage 1 bin ich raus. Das Spiel ging voll und ganz an mir vorüber. Lange Zeit hat man mich aber auch nur an der Konsole gefunden und First-Person Shooter waren gerade zu PS3-Zeiten nie meine liebsten Spiele. Machen wir ehrlich weiter: Ich habe seit Ewigkeiten keinen Shooter am PC gespielt und mit den ganzen Open World Titeln wie Red Dead Redemption 2 stehe ich aktuell auf dem Kriegsfuß. So stehen die Voraussetzungen für Rage 2 also echt schlecht, aber schauen wir uns das Spiel mal an.

Rage 2 wurde auf PC und Playstation 4 getestet. Die Einstellungen auf dem Rechner waren maximiert und das Spiel lief flüssig in 1080p. Die Playstation 4 Version wurde auf der normalen PS4 getestet, in FullHD und 30 FPS. Die Version des Spiels war zum Testzeitpunkt 1.02 für die PS4 und der Hotfix vom 16. Mai für den PC.

 

Welcome to Madness

Abgedrehte Endzeit kenne ich bisher nur von Borderlands 2 und allzu lange war ich da auch nicht involviert. Mad Max kennt man natürlich auch, das Szenario ist dieses Mal ein wenig anders. Die Erde geht vor die Hunde, die Elite setzt sich in ihren Archen genannten Raumschiffen ab und verharrt im Weltall bis unten alles wieder geregelt ist. Die Archen crashen aber zu früh runter und was macht man dann? Man dreht ab, malt alles grellbunt an und bekämpft sich. Der Schluss war also wieder Mad Max und Co. Mein leichtes Desinteresse an der Story wird nicht negativ ausgelegt werden, so viel kann ich versprechen.


Nachdem ihr euch zu den Archen durchgekämpft habt, warten neue Fähigkeiten und Waffen auf euch. Ein Abstecher lohnt sich immer!

 

Die alte und die neue Welt

Die ersten Schritte im Spiel fühlen sich dann aber Gott sei Dank herrlich vertraut an. So habe ich die FPS am PC verlassen und so heißen sie mich wieder willkommen. Die Grundsteuerung von Rage 2 ist echt gelungen. Alles steuert sich genau und ohne spürbaren Inputlag. Ohne groß an der Steuerung herumzudoktorn wird nur ein bisschen die Empfindlichkeit erhöht und ab geht’s. Das Spiel startet mit einer Introsequenz, nach der wir uns für einen weiblichen oder männlichen Charakter entscheiden. Wichtig wird das nur für Spiegelbilder und die Stimme sein, denn in einem First Person Shooter sieht man seinen Charakter eher selten. Wir schnappen uns unsere Ausrüstung und landen ruck zuck wieder in Sequenzen. Die Steuerung wird einem Genretypisch in den ersten Minuten beigebracht und wenn nötig auch später im Spiel ergänzt. Immer, wenn irgendwas neues auftaucht, wird uns auch zukünftig erklärt was es damit auf sich hat. So sammeln wir die ganze Zeit Feltrit und das ist zum einen Levelmaterial, zum andern gibt es uns beim einsammeln auch Lebensenergie zurück.

Nach den Sequenzen geht es in unsere erste Arche. Als frisch gebackener Ranger haben wir fortan Zugriff auf diese abgestürzten Raumschiffe und wir erhalten hier zum einen besondere Fähigkeiten und auch Waffen. Zwei Shooter-Welten kollidieren hier. In der alten Welt haben wir eine Unmenge an Waffen immer dabei. Wohin der Charakter dieses Arsenal die ganze Zeit steckt, hat früher auch niemanden interessiert. Die neue Welt ist da schon komplexer. Alles von Waffen über Fahrzeuge bis hin zu unserem Charakter wollen ausgebaut werden. Unser Charakter sogar in mehrfacher Hinsicht, denn jede der erhaltenen Fähigkeiten hat jeweils mehrere Stufen. Unsere Waffen haben diverse Ausbaustufen, die wir mit Waffenteilen und Feltrit verbessern. Ebenso unsere Fahrzeuge. Damit nicht genug. Jede der drei Hauptansprechpartner in der Welt von Rage 2 gibt uns die Möglichkeit bei ihnen gegen verdiente Punkte passive Fähigkeiten und Extras freizuschalten. Es gibt also viel zu tun.

Leveln, leveln, leveln. Nur zu Looten gibt es nichts wirklich was. Einmal gesammelte Waffen besitzen wir und gut.

 

So geht Open World (für mich)

Bleiben wir beim “viel zu tun”. Das ist das Credo eines Open World Titels. Aktuell kommt gefühlt nichts anderes mehr auf den Markt. Machst du ein Spiel, mach es Open World. Oft liest man dann auch, dass der Preis ja eh gerechtfertigt werden müsse und da braucht man halt 60 und noch mehr Stunden. Nehmen wir das Fazit vorweg. Rage 2 ist nicht so. Die Welt ist auch riesengroß. Die Karte bleibt auch nicht so leer wie am Anfang. Aber es ist klar erkennbar, was nun Hauptstory ist und was Nebenwerk. Wir müssen gar keine Nebenmission machen, aber jede bringt uns etwas. Alles was wir in in den verschiedenen Territorien machen, bringt uns bei der jeweiligen Fraktion Ruf und der wird bei Levelaufstieg in Punkte umgewandelt, welche die bereits erwähnten Passivfähigkeiten freischalten können. Die Archen geben uns eh Fähigkeiten und Waffen. Wir erledigen alle Gegner und können uns dann mit unserem Fokus Zutritt verschaffen. Der Fokus ist im Übrigen einer der ausbaufähigen Grundfähigkeiten. Er zeigt uns Gegner im Umkreis an und zieht Feltrit zu uns.

Dieses können wir so auch aus Ablagerungen in Wänden entfernen.  Der Fokus macht nun aber auch Archen und Archekisten auf. Dann gibt es Gegnercamps und Straßensperren. Beides säubert man und erhält als Belohnung Ruf, sowie Zugang zu Kisten mit Feltrit und Geld.  Um die Sperren kommt man eh nicht herum, diese versperren ja den Weg. Aber das ist schnell erledigt. Für Camps braucht man schon mal länger, aber einem wird vor jeder Mission ja auch angezeigt, welche Schwierigkeitsstufe die Gegner haben. Man weiß, worauf man sich einlässt. Dann gibt es noch Rennen und Arenakämpfe gegen Mutanten. Beides läuft im Rahmen einer abgedrehten Endzeitfernsehshow ab.

Hier verdienen wir Credits für den hauseigenen Shop. Erhalten aber das gleiche wie bei anderen Händlern. Dann gibt es Wachtürme der Mech-Mutanten die Obrigkeit genannt werden. Diese gilt es auszuschalten. Zu guter Letzt können wir noch Höhlen und Kanalisationen entdecken, in denen es vor Mutanten nur so wimmelt und an deren Ende uns ein riesiger Bossmutant erwartet. Bis auf einmal Rennen fahren und einmal Arenakampf ist das alles optionaler Content, der aber bei Absolvierung Belohnungen verspricht.

Abgedrehte Endzeit. Wir würden uns locker genauso benehmen, wenn die Erde vor die Hunde geht.

 

Genug zu tun, lang genug beschäftigt

Eine Belohnung ist aber ganz besonders. Der Spaß. Es macht einfach Laune, gegen die abgedrehten Mutanten, gepanzerten Soldaten oder auch menschlichen Freaks zu kämpfen. Das Schussverhalten macht richtig Spaß. Das Gameplay ist schnell und aufregend. Es geizt nicht mit Brutalität, aber in dieses Spiel passt es atmosphärisch gut rein und wirkt nicht überzogen. Jede Mission wird zur Freude, alleine der Kämpfe wegen und deswegen schließe ich nun den Teil, der die Open World behandelt.

Klar haben wir hier nur 20 – 30 Stunden vor uns, was die reine Story angeht. Die ist mir aber eigentlich eh egal. Diese Stunden werden aber durch Nebenmissionen und der Entdeckung der Spielwelt ausgedehnt und verlängert. Mich hat es überrascht, dass der Titel mich auch nach Stunden noch nicht abgeschreckt hat.

Ich, einer der Verfechter des Hashtags #mehrSchlauch, spiele das Spiel noch immer und habe noch immer Spaß. Auch daran in der Spielwelt einfach auf dem Weg zu Wegpunkten, immer wieder mal kleine Gegnergruppen mit dem Fahrzeug umzubolzen. Oder im Vorbeifahren mit ein paar schnellen Salven der Bordkanone eine Ansammlung der Gegner zu durchlöchern. Kurz zur Spielewelt: Ja diese ist Streckenweise eintönig gestaltet, aber bietet durch Sümpfe und andere Areale auch Abwechslung. Dazu bewegen wir uns in einer Endzeitwelt à la Mad Max und nicht in Hope County.

Der Weg wird uns auch hier zu vorher markierten Zielen angezeigt. Das grell violette GPS-System das auf den Boden projiziert wird, bringt Farbe ins Outworld-Szenario.

 

Die Steuerung wächst

Die neue Welt in diesem Spiel habe ich bereits erwähnt. Fähigkeiten sind elementar in diesem Spiel. Alles kann ausgebaut werden und vieles erlernt. Die Anzahl der Tasten die wir benötigen wächst aber auch und auch die Aktionen die über den Fokus ausgelöst werden komplexer: Wir können uns kurze Wege telporten um Angriffen auszuweichen, unseren Boomerang im Bogen werfen und vorher auf Gegner aufschalten und nach einem erfolgreichen Treffer umlenken auf einen weiteren Gegner. Knoten in den Fingern! Mehr sage ich nicht.

Aber auch hier gilt, dass man das alles nicht unbedingt braucht. Der Ausweichdash ist hilfreich und der Doppelsprung ist eh immer gut. Die meissten der anderen Aktionen kann man getrost ignorieren. So kann man eventuell mehr als zum Beispiel in “Doom”, aber man muss es ja nicht nutzen. Good old time.

In Shops dürfen wir uns nach Herzenslust mit Munition, Bauplänen zum Craften, Materialien und mehr eindecken.

 

Looks good!

Nicht ganz unwichtig, aber auch nicht die oberste Priorität, ist die Grafik des Spiels. Auf einem aktuellen System getestet sieht Rage 2 echt gut aus. Die Grafik wirkt topaktuell und das Spiel läuft flüssig. Technisch wird sich hier keine Blöße gegeben. Auch die Soundkulisse ist gut gelungen. Explosionen sehen großartig aus und klingen auch so. Zur Synchro ist zu sagen, dass diese gelungen ist. Die Sprecherin unseres weiblichen Charakters ist übrigens ganz klar erkennbar. Aber entdeckt mal selbst, wen wir da hören.

Grafikvergleich zwischen PS4 (links) und PC auf Ultra (rechts)

 

Fahrzeuge ohne Ende

Man kommt sich fast wie in GTA vor. Auch stehen überall allerlei Arten von Fahrzeugen herum die nicht unterschiedlicher sein könnten. Wir können, bis auf Sumpfboote, fast alles steuern und fahren. Unser Startvehikel können wir jederzeit günstig spawnen lassen und das Feld dieser spawnbaren Fahrzeuge wächst stetig an. Die unterschiedliche Bewaffnung hilft gegen verschiedene Feinde. Nicht zu vergessen ist, dass wir wie bereits erwähnt auch unsere Fahrzeuge aufwerten können. Weitere Waffen werden so verfügbar. Ob es aber nötig ist, diese Fahrzeuge alle zu besitzen und zu leveln, sei mal dahingestellt. Aber wir können, sind aber nicht gezwungen. Ein tolles Prinzip dieses Spiels.


Überall stehen Fahrzeuge für uns bereit. Diese sind jeweils mit anderen oder auch keinen Waffensystemen ausgestattet.

Fazit

Rage 2 ist ein erfrischender Titel im ausgelutschten Segment der Open World Titel. Kein Far Cry, kein Red Dead Redemption 2 und kein Loot-shooter wie The Division 2. Es gibt noch so viele weitere Beispiele und Rage 2 macht fast alles richtig. Fast wünschte ich mir die Fähigkeiten und das drumherum auch noch weg. Lass mich durch die Prärie hetzen und Gegner in schnellen Kämpfen erledigen. Wie man es früher mochte und was einem einfach gereicht hat. Gerne Open World, kein Problem. Die Story ist für mich Nebensache, aber wirkt recht solide erzählt. Die Verrücktheit der Welt aber ist lustig. Alles ist abgedreht und wirkt so natürlich nicht immer sinnig. Aber so ist das mit Verrückten. Verrückt ist es auch, dass ich noch immer Spaß mit einem Open World Titel haben kann. Ich bin nicht abgeschreckt von der schieren Übermacht an Möglichkeiten und Aufgaben. Überhaupt drängt sich das Spiel nicht auf. Du machst genau das, was du willst. Fahr mehr Rennen, kämpfe in der Arena oder baller dich einfach durch die Gegend. Abschließend bin ich froh. Es liegt doch nicht an mir, sondern an anderen Spielen. Ich habe noch Lust auf Spiele abseits von #mehrSchlauch und gehöre, außer bei Fortnite, nicht zum alten Eisen.

 


Für alle, die Angst wegen des Spielumfangs haben: Die Roadmap zu Rage 2 verspricht Events, neue Skins, Fahrzeuge und mehr. Für August und Herbst sind außerdem jeweils ein DLC angekündigt. Aktuell läuft bereits Community-Event Nr. 1, bei der es gilt 100.000.000 Gegner auszuschalten. Als Belohnung winkt für alle ein Skin für die Standard-Handgun.

Anmerkung

Neben der PC Version wurde von uns auch die Playstation 4 Variante getestet. Hier hatte unser Redakteur leider mit einigen Problemen zu kämpfen. Oftmals blieben Soundeffekte von Aktionen “hängen” und sorgten so für einen nervigen Dauerton. Dies ließ sich jeweils nur mit einem Neustart abstellen. Desweiteren ist es unserem Redakteur aktuell nicht möglich eine Mission zu starten, denn die Person, mit der er sprechen soll, ist nicht da. Mindestens sechs mal gab es Bluescreens und oft die schon genannten Soundfehler. Leider wirkt dies nicht sehr solide und trübt die Motivation. Wir hoffen hier wird alsbald mit Patches nachgearbeitet.

Der Hashtag #mehrSchlauch entstammt meines Wissens nach dem Podcast von DashFM. Er steht für die Forderung, gerade “älterer” Spieler, nach mehr “schlauchigem”, linearem Gameplay. Es ist nun mal Fakt, dass seit einigen Jahren gerade im AAA-Bereich vornehmlich OpenWorld Titel veröffentlicht werden. Diese Spiele erschlagen den Spieler oft mit ihren schier unzählbaren Möglichkeiten und ewig dauernden Reisen quer durch die Spielwelt.

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Timm Stenderhoffhttps://www.twitch.tv/bloodyamateuers
Chefredakteur beim PIXEL. magazin. Ich spiele seit den Gameboy und C128 zeiten. Danach kamen noch Amiga 500, diverse PCs, Konsolen von Sony, noch mehr Konsolen von Sony und nun auch wieder PC. Ich habe kein festes Genre, aber halte mich mittlerweile von OpenWorld-Games fern. Gebt uns den Schlauchlevel zurück!

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